Fletschhorn, Saas-Fee
Wohin geht man essen wenn man die Skiferien in Saas-Fee verbringt? An einen Abend sollte man sich kulinarisch so richtig verwöhnen lassen und ins Fletschhorn pilgern! Da kocht der Österreicher Markus Neff umgeben von einem wunderschönen Bergpanorama in einem schönen und gemütlichen Restaurant. Neff und seine beiden langjährigen Partner Maren Müller und Charlie Neumüller haben das Restaurant und Hotel vor ein paar Jahren übernommen. Dem Guide Michelin ist die Küchenleistung 1 Stern wert der Gault-Millau geht sogar einen Schritt weitert und vergibt 18 Punkte. Zu Recht?
Der erste Eindruck passt, denn pünktlich zur vereinbarten Zeit wartet vor unserem Hotel das Elektro-Shuttle welches uns ins 3 km entfernte Fletschhorn fährt. Die Fahrt durch den Wald hat etwas mystisches und wenn der Weg nicht so matschig wäre würde man ihn am liebsten zu Fuss zurück legen. Zumindest den Weg zum Restaurant – mehr dazu später…
Der Empfang im Fletschhorn war herzlich, gleich schüttelte man uns die Hand und begleitet uns an den Tisch. In der Mitte des Restaurant steht eine grosse Vase welche die wunderschönen Orchideen umhüllt. Das Unikat Jerôme Hintermann begrüsst uns. Er ist neben Patron Charlie Neumüller für die Gäste zuständig, nimmt die Bestellungen auf, entkorkt Weine in Sekundenschnelle und hat viel Charme und Humor. Jeder Andere würde nerven, durch seine Natürlichkeit und Dank seinem grossen Wissen über Weine gehört der 26 jährige zu den Besonderheiten dieses Restaurants.
Zur Auswahl stehen zwei Menüs Fisch/Fleisch oder nur Fisch in 6 Gängen (175 Franken) oder 9 Gängen (205 Franken). Auch hier, Menüanpassungen sind kein Problem und so serviert man uns statt der Entenleber ein Bison-Tartar. Doch alles der Reihe nach. Denn zuerst starteten wir mit dem Amuse Bouche, ein Spargelsüppchen und Frühlingsrolle. Der März ist für den Koch nicht sehr einfach. Man hat vom ganzen Wintergemüse genug, die ersten Frühlingstage sind da, doch auf das Saisongemüse muss man noch ein paar Tage oder sogar Wochen warten. Auch wenn es für Spargeln noch ein bisschen zu früh ist und in ein paar Wochen die selbe Suppe wohl intensiver schmecken wird, habe ich den Frühlingsgruss – inkl. knuspriger Frühlingsrolle genossen.
Zum Amuse Bouche wurde auch der erste Wein vorgestellt. Die Weinbegleitung war neben dem Essen das grosses Highlight. Zu jedem Gang wurde ein anderer Wein serviert. Hintermann schlug vor, die Auswahl auf Walliser Weine zu beschränken und dabei darf man ihm blind vertrauen. Jeder Wein war eine Wucht!
Der erste Gang wurde serviert. Wie erwähnt erhielt ich das Bison Tartar. Eine Stunde vorher hätte ich mir nicht vorstellen können in einem 18 Punkte Restaurant auf dem Teller ein Essiggürklein und ein Silberzwiebelchen zu finden, doch genau das lag (neben anderem) nun vor mir auf dem Teller. Überrascht war ich schon, aber das gehört nun mal zu einem Tartar. Das zum rohen Fleisch gereichte Brot war zwar zu hart, umso besser schmeckte jedoch das frische Brot welches zum Beginn des Services auf unseren Tisch gestellt wurde!
Das Tartar schmeckte sehr gut, dennoch starrte ich eifersüchtig auf den Teller meiner Freundin: gebeizter Lachs, Kartoffelmousse und Kaviar! Zum Glück durfte ich auch ein paar schwarze Perlen geniessen.
Im zweiten Gang wurde meiner Freundin noch ein Highlight serviert: Gedämpfte Langustine in seinem Sud mit Walliser Marc de Gewürztraminer – genial. An das Niveau kommte mein Hummer im gleichen Sud nicht ganz heran.
Serviert wurde mir nun “Auf der Haut gebratene Rotbarbe auf rahmigem Champagnersauerkraut”. Der Fisch war schlicht perfekt, die Kruste entsprechend knusprig. Auch das Sauerkraut überzeugte sehr.
Als nächstes erreichten mich die ersten Morcheln in dieser Saison. Diese lagen unter, mit Geflügel gefüllten, Ravioli. Auch dieser Gang schmeckte sehr gut. Mein vis à vis erhielt eine grosse Ravioli gefüllt mit Jakobsmuschel und dazu eine perfekt (!) gebratene Jakobsmuschel.
Im Hauptgang gab es für mich ein paar Streifen vom Piomonter Rind aus dem Entlebuch – super zart, super fein. Dazu sein Knochenmark sowie Gemüse (noch einmal eine Spargel). Die Portion hätte zwar noch ein bisschen grösser sein dürfen, aber das Gefühl hat man wohl bei allem das so gut schmeckt.
Als Pré-Dessert gab es eine tolle Crème brûlée und zum Dessert ein Tonkaboneneis mit gebratenen Babybananen. Ein wirklich gelungener Abschluss.
6 Gänge + Amuse Bouche = 7 Glas Wein + Apéro so viel zum Thema “nach Hause laufen”. Ich war froh, dass wir ins Elektroauto steigen konnten.
Der Abend war zwar teuer (2 x 6 Gang Menü + 1 x Weinbegleitung kostete 480 Franken und das bei einem vorbildlichen Wasser Preis für 5.50 Franken pro Liter) aber es hat sich absolut gelohnt. Die Gerichte waren zwar nicht innovativ dafür bodenständig und auf einem hohen Niveau. Für mich geht der Michelin Stern in Ordnung, die 18 Punkte von Gault-Millau sind mir aber zu hoch. Klar, die Grundprodukte waren teuer doch für den 18 Punkt war mir das Essen zu einfach.





























